
Auch eine Gaskartusche ist am Flughafen Reykjavik
geblieben. Timo wurde unter Bombenverdacht verhaftet, musste den
verdächtigen Sprengkörper mit Spezialhandschuhen selbst auspacken,
wurde verhört.
So unglaublich verlief praktisch die gesamte 2100-Kilometer-Tour auf
der Ringstraße mit Abstechern ins Landesinnere. Und sie verlangte den
jungen Männern einiges an Robustheit ab. Fast täglich regenete es.
Dennoch zelteten sie unverdrossen, bisweilen boten Scheunen und
Nothütten Unterschlupf.
Den Gletscher Eyjafjallajökull erklommen sie mit Turnschuhen ohne
Ausrüstung. Ihr Training mit den Trekkingrädern waren die täglichen
Fahrten zur Schule nach Gliesmarode. In Island kamen Schotter,
Gegenwind und 40 Kilo Gepäck dazu.
"Es war nicht immer leicht, aber die gute Zeit überwog die schlechte
hundertfach", sind sich die Zwei einig. Nur per Rad seien sie beweglich
genug und gleichzeitig dicht genug an der Natur. Bis zum
tiefstgelegenen See Islands mitten im Landesinnern stießen sie vor. "Am
Askja-See hat die Nasa für die Mondlandung mit den Astronauten geübt",
wissen Arndt und Timo.
Dass Island außer den spektakulären Szenerien an Geysiren und
Gletschern auch viel Einöde zu bieten hat, auch diese Erfahrung mussten
die Abenteurer machen. Doch auf dem Rad seien solch langweilige Etappen
besser zu ertragen als im Auto. "Musik für unterwegs kriegten wir aus
dem Weltempfänger."
Bustouristen bewunderten die Radler für ihren Wagemut. Die Isländer
selber, mehr dem American Way of life zugetan, reagierten skeptisch bis
ablehnend, wie man sich solche Strapazen zumuten könnte. "Vor allem
junge Leute waren sogar aggressiv", ist Arndts und Timos Erfahrung. Sie
fühlten sich provoziert, dass sich Gleichaltrige freiwillig der von
ihnen empfundenen Enge aussetzten.
"Die Isländer sind aber sonst wirklich sehr freundlich", versichern die
Rucksack-Touristen. Das wurde vor allem beim Kulturfest in Reykjavik
deutlich, das Arndt und Timo zum Abschluss ihrer Rundreise mitfeierten
- nachdem sie spontan den örtlichen Island-Marathon mitgelaufen waren.
Quelle: Gifhorner Rundschau, August 2003