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Gletscherinsel mit dem Rad erobert Drucken E-Mail
Sunday, 26. February 2006
Eine bald unglaubliche Island-Reise zweier junger Abenteurer aus Rötgesbüttel und Wedesbüttel
Von Christian Franz
WEDESBÜTTEL. Die isländische Nationalflagge haben sie als Souvenir mitgebracht. Den eingesammelten Abfall haben sie noch auf der Gletscherinsel entsorgt. "Wir hatten an manchen Stellen Müll mitgenommen, um uns bei der Natur zu bedanken." So grandios war der Eindruck, den Arndt Emmerich (18) aus Rötgesbüttel und Timo Müller (17) aus Wedesbüttel auf ihrer 40-tägigen Island-Radtour gewannen, dass sie sich irgendwie revanchieren mussten.


Auch eine Gaskartusche ist am Flughafen Reykjavik geblieben. Timo wurde unter Bombenverdacht verhaftet, musste den verdächtigen Sprengkörper mit Spezialhandschuhen selbst auspacken, wurde verhört.
So unglaublich verlief praktisch die gesamte 2100-Kilometer-Tour auf der Ringstraße mit Abstechern ins Landesinnere. Und sie verlangte den jungen Männern einiges an Robustheit ab. Fast täglich regenete es. Dennoch zelteten sie unverdrossen, bisweilen boten Scheunen und Nothütten Unterschlupf.
Den Gletscher Eyjafjallajökull erklommen sie mit Turnschuhen ohne Ausrüstung. Ihr Training mit den Trekkingrädern waren die täglichen Fahrten zur Schule nach Gliesmarode. In Island kamen Schotter, Gegenwind und 40 Kilo Gepäck dazu.
"Es war nicht immer leicht, aber die gute Zeit überwog die schlechte hundertfach", sind sich die Zwei einig. Nur per Rad seien sie beweglich genug und gleichzeitig dicht genug an der Natur. Bis zum tiefstgelegenen See Islands mitten im Landesinnern stießen sie vor. "Am Askja-See hat die Nasa für die Mondlandung mit den Astronauten geübt", wissen Arndt und Timo.
Dass Island außer den spektakulären Szenerien an Geysiren und Gletschern auch viel Einöde zu bieten hat, auch diese Erfahrung mussten die Abenteurer machen. Doch auf dem Rad seien solch langweilige Etappen besser zu ertragen als im Auto. "Musik für unterwegs kriegten wir aus dem Weltempfänger."
Bustouristen bewunderten die Radler für ihren Wagemut. Die Isländer selber, mehr dem American Way of life zugetan, reagierten skeptisch bis ablehnend, wie man sich solche Strapazen zumuten könnte. "Vor allem junge Leute waren sogar aggressiv", ist Arndts und Timos Erfahrung. Sie fühlten sich provoziert, dass sich Gleichaltrige freiwillig der von ihnen empfundenen Enge aussetzten.
"Die Isländer sind aber sonst wirklich sehr freundlich", versichern die Rucksack-Touristen. Das wurde vor allem beim Kulturfest in Reykjavik deutlich, das Arndt und Timo zum Abschluss ihrer Rundreise mitfeierten - nachdem sie spontan den örtlichen Island-Marathon mitgelaufen waren.

Quelle: Gifhorner Rundschau, August 2003



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